WDRprint Juni 2019

Hörspieltipp Juni Foto: akg-images Medienmenschen 39 Am Tag seines Geburtstags startete Alexander Bickel als Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie. Der 50-jährige Journalist und studierte Historiker wechselte vomZDF, wo er als stellvertretenderHauptredaktionsleiter in der Fiktion tätig war, zumWDR. Kristina Bausch sprach am 20. Mai unter anderem mit ihm über Trends im Fiktionalen und was der Profi privat gerne schaut. Herr Bickel, Ihr erster Tag imWDR ist gleichzeitig Ihr Geburtstag – Sie werden heute 50 Jahre alt. Wie fühlt sich das an? Das passt gut zusammen, schließlich beginnt für mich in Köln ein neuer Lebensabschnitt. Letztlich ist es nur eine kleine Zahl, aber ich finde, ohne abergläubisch zu sein, es ist ein guter Start. Der WDR ist kein Neuland für Sie, richtig? Das stimmt, ich habe in den 90er Jahren während des Studi- ums als freier Lektor imdamaligenBereich Fernsehfilmgearbeitet. Das war großartig, der beste Studentenjob, denman sich vorstellen kann. Ich bin einmal in derWoche in den Sender gekommen und habe Drehbücher gelesen und lektoriert. Auch die Bezahlung war ordentlich. Natürlich waren die Bücher nicht alle gleich gut, aber gelegentlich war etwas richtig Spannendes dabei. Worauf freuen Sie sich besonders? Ich habe die meisten Kolleginnen und Kollegen bereits kennengelernt und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit ihnen. Ich freue mich überhaupt auf den WDR – das ist schließlich eine Top-Adresse. Ich finde es auch hochinteres- sant, in einem Sender mit einem breiten Hörfunkprogramm zu arbeiten, das war beim ZDF naturgemäß nicht der Fall. Es ist insgesamt eine spannende Zeit mit vielen Herausforde- rungen, etwa dem Umbau der Programmdirektionen. Und ich freue mich auf Köln: Die Stadt ist genauso unaufgeräumt und unkompliziert wie zu meiner Studentenzeit – ein Ort, wo man sehr schnell ankommt. Welche Trends erkennen Sie aktuell in der Fiktion? Die Serie bleibt als Motor für die Erweiterung des fiktio- nalen Erzählens wichtig, dieser Trend wird aus meiner Sicht weiter andauern. Der WDR kann sich in meinen Augen hier viele Möglichkeiten erschließen, gerade auch durch die regi- onale Anbindung an NRW. Ein weiterer Trend: nicht-lineare Wege für fiktionales Erzählen nutzen. Schließlich wird auch der klassische Fernsehfilm relevant bleiben. Beim Fernseh- filmfestival in Baden-Baden letzten Herbst wurde sehr lebhaft über dieses Format diskutiert. Ich gehöre zu den Optimisten: Der 90-Minüter hat seine beste Zeit noch vor sich. Was schauen Sie eigentlich privat gerne? Die heiße Netflix-Phase habe ich hinter mir, irgendwann hat man dort alle großen Produktionen gesehen. ImMoment bin ich viel in den Mediatheken unterwegs, bisher beim ZDF und jetzt auch bei der ARD. Als Familienmensch sehe ich sehr gerne Tier- und Naturdokumentationen. Und ich informiere mich über Politik, etwa mit aktuellen Podcasts vomWDR. „Ich freue mich auf den WDR“ „Der 90-Minüter hat seine beste Zeit noch vor sich.“ Alexander Bickel, der neue Fernsehfilm-Chef, an seinem ersten WDR-Tag WDR/Fußwinkel 38 Hörspiel Orpheus als schlechter Geigen- solist, der sein Umfeld mit drittklassigem Spiel quält – allen voran seine Gemahlin Eurydike. Im Duett mit ihr singt er: „Du verabscheust meine Soli“, worauf sie aus tiefster Seele zustimmt: „Ich kann dir gar nicht sagen, wie.“ So lässt sich die frus­ trierte Eurydike mit Aristeus ein, einem Schäfer, der biologischen Feta produziert und in Wirklichkeit niemand anders ist als der Höllenfürst Pluto, der Eurydike in die Unterwelt entführt. Orpheus findet das eigentlich gar nicht so schlimm, muss ihr jedoch hinterher wegen der Öffentlichen Meinung, die findet: Orpheus und Eury- dike sind unzertrennlich. Anlässlich des 200. Geburtstags von Jacques Offenbach hat der Kabarettist Thomas Pigor ein unge- wöhnlichesWDR-Hörspiel aus Offenbachs wohl berühmtesten Werk produziert: „Orpheus im Höllengalopp“ ist am 15. und 16. Juni in WDR 3 und WDR 5 zu hören. Thomas Leutzbach ist Redakteur des Hörspiels und beschreibt die Herange- hensweise als „eine fast ironische histo- rische Aufführungspraxis“. Denn: „Pigor nimmt sich den ohnehin schon bearbeite- ten Mythos von Offenbach zur Brust und verknappt und rafft ihn von ursprünglich viereinhalb Stunden auf 53 Minuten.“ Tim Fischer als Styx Die seinerzeit sehr erfolgreiche Oper „Orpheus in der Unterwelt“ des Komponis- ten Offenbach und der beiden Librettisten Halévy und Crémieux ist eine Persiflage auf die griechische Sage vom Liebespaar Orpheus und Eurydike, in der auch eines von Offenbachs bekanntesten Musik- stücken zu hören ist, der Cancan. Von ursprünglich 22 Musikstücken sind in der Hörspielfassung noch 16 erhalten, die von fünf Musikern gespielt werden, unter der musikalischen Leitung vonMax Knoth. Es singen und sprechen unter anderem die Opernsängerin Sigrid Hauser (Eurydike), der Chansonnier und Schauspieler Tim Fischer (Styx), der Sänger BurkardWehner (Orpheus) sowie der Musical- und Opern- sänger Alexander Franzen (Jupiter). Der Kabarettist und Komponist Pigor, früher auch Mitglied der Musicaltruppe „College of Hearts“, bearbeitete 2011 „Orpheus in der Unterwelt“ bereits für die Berliner Staatsoper. Bei „Orpheus im Höl- lengalopp“ ist er Regisseur, führt als Confé- rencier durch die Operette und wird dabei immerwieder unterbrochenvonder „Öffent- lichenMeinung“, die er auch selbst spricht. Warum ist es für Thomas Leutzbach „sein“ Hörspiel des Monats? „Ich bin ers- tens großer Pigor-Fan, zweitens großer Opern- und Operettenfan und finde drit- tens die Verbindung von beidemgroßartig“, sagt der Redakteur. „Dieses Stück ist frech, macht Spaß und ist der Versuch, die Essenz und denGeist der Operette zu erfassen und spielerisch neu zu beleben.“ Was hätte Offenbach selbst dazu gesagt? Leutzbach: „Thomas Pigor und ich sind der Meinung: Offenbach hätte das gefallen!“ kp Kabarettist und Komponist Thomas Pigor nahm sich Offenbachs Orpheus zur Brust. Heraus kamen 53 freche und sehr unter- haltsame Hörspielminuten. Orpheus im Höllengalopp Redakteur Thomas Leutzbach: „Offenbach hätte das gefallen!“ Foto: Radio Bremen/ Sarimese WDR 3 SA / 15. Juni / 19:04 WDR 5 SO / 16. Juni / 17:04 Orpheus im Höllengalopp Jacques Offenbachs legendäre Operette im Rekordtempo

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