WDRprint Juni 2019

Unternehmen Unternehmen 40 41 Drei Stunden lang hörte der WDR genau hin, denn er wollte wissen: Was bewegt junge Migrant*innen, welche Programmangebote überzeugen sie? „WIRWOLLEN GESEHEN WERDEN!“ gebiet 2006 untersucht. Iva Krtalic: „Wir stehen heute nicht nur vor ganz neuen Medien und Nutzungsgewohnheiten, son- dern auch vor neuen Generationen – die Menschen sind hier geboren, haben aber trotzdem Bezüge zum Herkunftsland der Eltern. Von uns erwarten sie, imProgramm wahrgenommen zu werden.“ Wie kann dem WDR das gelingen? Die Kernfrage des Abends resümierten die Teilnehmer*innen auch kritisch: „So wie wir heute zusammensitzen und Wurzeln in ganz unterschiedlichen Ländern haben, so sehen wir das in denMedien trotz vieler Fortschritte noch nicht.“ Die spannende Frage „Für uns ist die spannende Frage, wie sich das Publikum durch die kulturelle Vielfalt verändert“, erklärt Simon. Mittler- weilehaben fast 28Prozent derMenschen in NRW einen Migrationshintergrund – also eine eigene oder familiäre Einwanderungs- geschichte, erläutert Krtalic. Sie betont: „Hier geht es nicht um Nischenangebote oder Migrationsthemen, sondern darum, dass wir das gesamte Publikum erreichen.“ EB Integrationsbeauftragte Iva Krtalic und Medien- forscher Erk Simon Foto: WDR/Brill Kongo, Polen, Brasilien – ihre Vorfah- ren stammen aus aller Welt: Zum Publi- kumsgespräch desWDR inKöln trafen sich rund 30 junge Deutsche mit ausländischen Wurzeln. Ihre Heimat: Nordrhein-Westfa- len. Integrationsbeauftragte Iva Krtalic und Medienforscher Erk Simonwollten von den 20- bis 40-Jährigen wissen: Kennen sie den WDR? DenDortmunder »Tatort«?Wer hört Radio? Welche Angebote imNetz überzeu- gen? Vor allemaber wollte derWDR lernen: Was können wir besser machen? „Cool, die hat das geschafft!“ Tacheles sprechen die jungen Leute vor allem in kleinenGesprächsrunden. Von WDR-Seite diskutieren Kolleg*innen ver- schiedener Bereichemit denMigrant*innen –Landesprogramme,Newsroom, Fernsehen undRadio. Dabei stellt sichheraus: Erwartet werden starkeVorbildermit Zuwanderungs- geschichte. „Wenn ich im Fernsehen eine Migrantin alsModeratorin sehe, denke ich: Cool, die hat das geschafft!“ Nachrichten erreichen die jungen Menschen zuerst auf demSmartphone, oft werdenmehrereQuel- len, auch muttersprachliche, kombiniert. Entscheidende Kriterien dabei: Glaubwür- ziellenFragestellungenaus demProgramm.“ Um die so gewonnen Erkenntnisse auf eine breitere Basis zu stellen, sei außerdem eine Online-Umfrageunter jungenMenschenmit Zuwanderungsgeschichte geplant. Kritik an den Medien Die letzte bundesweite ARD/ZDF- Studie zu dieser Fragestellung wurde unter Federführung desWDR 2011 durchgeführt. Davor hatte der WDR die Mediennutzung unter jungen Migranten im WDR-Sende- digkeit undVertrauen indie Information. So könnenARDundWDRauch imWeb punk- ten. Eine wichtige Erkenntnis: „JungeMen- schenmit Zuwanderungsgeschichtekönnen wirmit regionalenund lokalenNachrichten erreichen“, sagt IvaKrtalic. AttraktiveAnge- bote imNetz solltendie Lebenswirklichkeit der jungenMenschenabbilden. Gefragt sind Geschichten aus dem echten Leben und authentische Protagonisten. »Aktuelle Stunde«, »Lokalzeit«, 1LIVE undWDR2 sindauchdemjungenPublikum mit Zuwanderungsgeschichtebekannt –und wichtige Informationsquellen. Als attraktive AngebotewerdenbeispielsweisedieComedy- Sendungen »PussyTerror TV« und »Rebell Comedy« wahrgenommen. Unterhaltung undFiktion tragen zu einer gutenMischung bei. „Dass Leute von uns, die keine Connec- tions haben, imWDR eine eigene Showwie ‚Rebell Comedy‘ kriegen, das macht mich richtig stolz“, sagt eine Teilnehmerin. Mit dem Publikumsgespräch startet der WDR das seit vielen Jahren erste For- schungsvorhabenzurMediennutzungunter Menschen mit Migrationshintergrund. MedienforscherErkSimon: „DasPublikums- gespräch mit Migrant*innen soll im nächs- tenJahrwieder stattfinden, danneher zuspe- Illustration: Robert Kneschke

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