WDRprint Juni 2019

45 Im Gespräch Der WDR-Fernsehfilm „Unser Kind“ ist keine leichte Kost: Ein lesbisches Ehepaar zieht einen Jungen groß. Nach demUnfalltod der einen geht das Gerangel um den kleinen Franz los. Ehefrau, Samenspender, bio- logische Großeltern – bei wemsoll der Junge leben? Stefan Stabenow ist beimDeutschen Kamerapreis für seinenSchnitt ausgezeichnetworden.Wir tref- fen am Morgen danach im Kölner Hotel Hopper einen etwas übermüdeten Preisträger auf einen Kaffee – und Stabenow ist schonwieder leiden- schaftlich bei der Sache. Glückwunsch, Herr Stabenow. Wie war es denn gestern? Es war natürlich toll. Ich bin noch ein bisschen erschlagen von all den Eindrücken und von der Aufregung. Wie sind Sie eigentlich zum Schnitt gekommen? Eigentlich wollte ich Kameramann werden. Ich habe in Lodz Kamera und Regie studiert. Da kamen und kommen ganz renommierte Kameraleute her. Das mit dem Schnitt hat sich nach dem Studium ergeben. Ich wusste, das liegt mir, und ich hatte früh die Mög- lichkeit, zwei Kinofilme von befreundeten Regisseuren zu schneiden. Die liefen 2005 beide in Cannes. Da wusste ich, die Richtung stimmt. Beim Kamerapreis war viel von Schnitt oder von Montage zu hören. Wie bezeichnen Sie sich selbst? Als Cutter? Als Editor? Mittlerweile sage ich Filmeditor. In Polen sagt man „Mon- tazista“. Das trifft die Sache sehr gut. Der Schnitt eines Spiel- films oder eines Dokumentarfilms ist ein eigenständigesWerk, weil dieMontage so komplex ist. Es gibt wahnsinnig vieleMög- lichkeiten, die Teile miteinander in Beziehung zu setzen. Her- auszufinden, was für ein Beziehungsgeflecht das Filmmaterial anbietet, ist ein langer Prozess. Wie steht der Editor zum Regisseur? Ein Film ist ein bisschen wie ein Mosaik. Der Regisseur kennt alle Teilchen und hat eine Vorstellung von einem Bild. Der Editor versucht dieses vorgestellte Bild durch eine geeignete Konstellation ausgewählter Teilchen nun herzustellen und – im Idealfall – zum Leuchten zu bringen. Müssen Sie als Editor eine besondere Beziehung zur Story haben? Gute Frage. „Unser Kind“ war das erste Projekt nachmeiner Auf einen Kaffee mit Stefan Stabenow WDRprint traf Stefan StabenowamMorgen nach der Preisverleihung. Foto:WDR/Anneck Elternzeit. Das hat meinen emotionalen Zugang zum Thema beeinflusst. Außerdem ist jeder mit Kindern gezwungen, effizienter zu handeln. Im Schnitt bedeutet das: mutiger oder instinktiver zu sein. Bei „Unser Kind“ spiegeln das die vielen Wechsel der Zeitebenen. Die aufzufächern und zu zerfasern, das war eigentlich so nicht vorgesehen. Das Material hat das aber irgendwie angeboten. Die Bilder selbst geben also die Dramaturgie vor? Ja, das ist was, wasmich beim Schnitt schon sehr lange fasziniert, dass der FilmauchZeitmaschine sein kann. Das hat viel damit zu tun, wie Menschen die Welt wahrnehmen. Die springen in ihremBewusstsein ja auch ständig zwischenVergangenheit, Gegenwart und Zukunft hinund her. Filmhat genau dieseMög- lichkeit. Das ist fantastisch – wird aber gar nicht so oft genutzt. Meistens geht es doch verhältnismäßig konventionell zu. Das ist manchmal ein bisschen schade. Was war bei „Unser Kind“ anders? Der Film ist ein Medium, das sehr nah am Traum ist. Im formalenSinne spielt dasUnbewusste inFilmen fast keineRolle. Da ist der Film nicht so frei, wie es etwa Träume sind. Meist hat Filmeine andereKonzeption, die eben eher klassischoder linear erzählt. Es gibt auch andere Lösungen, an die man sich jedoch nicht herantraut, weil sie selten genutzt werden. Das interessiert mich aber. Und deswegen war ich sehr froh über unser Team. Denn allein dadurch, dass der Film von einem großen Sender ausgestrahlt wurde, war „Unser Kind“ an ein breites Publikum gerichtet. Dass es trotzdem möglich war, sehr offen mit der fil- mischen Form umzugehen – das fand ich großartig. Mit Stefan Stabenow sprach Ute Riechert „Dass der Film auch Zeit- maschine sein kann, ist etwas, das mich beim Schnitt schon sehr lange fasziniert.“ 44 Panorama WDR schenkt Privatkonzert Preiswert durch den Sommer Datenschutz, Hackerangriffe, Filter- blasen, Netzpolitik, KI, VR – dieDigitalisie- rung stellt unsere Welt auf den Kopf, und wir erfassen kaum, wie sich Technologie, Gesellschaft und Politik verändern. Im neuen Podcast von COSMO widmen sich die ARD-Digital-Experten Dennis Horn und Jörg Schieb diesen relevanten Fragen. SieseienoftunterschiedlicherMeinung, so Schieb: „Wie gemacht für die Debatte im Podcast!“ Ergänzt werde die Diskussion durch Erklärstücke, O-Töne und Gespräche mit Gästen. „Es gibt viele hervorragende Tech-Podcasts, aber uns fehlte dabei schon immer das große Radiohandwerk“, erklärt Horn. IhrAnspruch sei es, „alsReporter raus in die Welt zu gehen und Themen der digi- talen Welt mit journalistischem Anspruch, aber auch hörwertig umzusetzen“. CSh COSMO Tech , WDR Fernsehen, auf www.cosmoradio.de oder über bekannte Podcast-Apps, 14-tägig dienstags Da Capo wegen großen Erfolgs – wer einen originellen Ort oder Anlass bietenkann, hat auch2019wiederdieChanceauf einPrivatkonzert einesWDR- Ensembles. WDR 4 schenkt ihnen einen Auftritt des WDR Rundfunkchors oder desWDRFunkhausorchesters am31. August sowiederWDRBigBandam 1. September. UndWDR 3 bringt am1. September dasWDR Sinfonieorchester mit Violinist Daniel Hope zu Ihnen. Hope sitzt zudem nebst Götz Alsmann einerFachjuryvor, diedieGewinner auswählt.VoraussetzungenfürdieOnline- Bewerbung: Die Location ist inNRW, nicht openair undbietet genügendPlatz sowie die nötige Infrastruktur. „Außerdemmuss der Ort gut zugänglich sein“, erklärt der zuständigeMarken-Manager Michael Krügerke. „Eine Bergkuppe, die nur über einen langen Fußmarsch erreichbar ist, scheidet aus.“ CSh Online-Bewerbung bis 16. Juni, 23:59, auf wdr4.de und wdr3.de Die Grillsaison ist da. Muss es aber ein teurer Hightech-Grill sein, – oder tut es auch ein günstiger? Wie steht es um die Qualität preis- werter Camping- und Outdoor-Artikel vom Discounter? Und: Lässt sich ein Urlaub zu Hause nicht nur günstiger, sondern auch schöner als ein All-inclusive-Trip in den Süden gestalten? 45 Minuten »Markt« reichen nicht, um all diese Fragen zu beantworten. Deshalb zeigen Anna Planken und YvonneWillicks in einer Doppelausgabe, wie man clever durch den Sommer kommt, ohne viel Geld zu verbraten. „Der Sommer wird verlockend, und alle wollen Ihr Geld! Wir zeigen Ihnen, wo Sie wirklich was dafür bekommen und wo Ihr Urlaubsgeld gut investiert ist“, verspricht Planken. „In meiner Kindheit haben meine Familie und ich viele Sommerurlaube auf einem kleinen Campingplatz imHochsauerland verlebt“, erzähltWillicks und freut sich zu erfahren, wie heutzutage gecampt wird. EB Markt XL , WDR Fernsehen, Mi 19. Juni, 20:15-21:45 Neuer Podcast COSMO Tech 2018 spielte die WDR Big Band in einem Flugzeughan- gar vor einer „Tante Ju“. Foto: WDR/Langer Yvonne Willicks und Anna Planken checken die sommer- lichen Lockangebote. Fotos: WDR/Fußwinkel Nerds vom Dienst: die ARD-Digital-Experten Jörg Schieb und Dennis Horn Foto: WDR/Fußwinkel

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