WDRprint Sept./Okt. 2019

25 Rubrik Man stelle sich nur mal vor, der Litera- turkritikerMarcel Reich-Ranicki (1920-2013) hätte Büchern nichts abgewinnen können unddieNächte lieber vor demFernseher ver- bracht, um Folge für Folge seiner aktuellen Lieblingsserieanzuschauen.Dannhätte es den ZDF-Klassiker »Das Literarische Quartett« nie gegeben, dafür aber viel- leicht ein Talkformat über die besten (und schlechtesten) Serien aller Zeiten. Mit »Seriös – das Serienquartett« wirddieser Traumnunwahr: Zwei Seri- enfans und zwei Serienmacher streiten sichüber dieQualität deutscher und interna- tionaler Produktionen, verteidigen ihre aktu- elleLieblingsserieundschießenscharf gegen alles, was ihnen beim Gucken gähnende Langeweile und viel Frust beschert hat. InderPilotfolge,dieinONEundinderMedia- thekzusehen ist, besteht das seriöseQuartett aus den preisgekrönten Autoren Ralf Hus- mann(„Stromberg“, „MerzgegenMerz“) und AnnetteHess („Weissensee“, „Ku’damm56“) sowie aus denprominenten „Konsumenten“ KurtKrömerundAnnieHoffmann. Jederhat sich eine Serie ausgesucht, die auch die Mit- streiter zur Vorbereitung gucken mussten. So wirbt Krömer für die deutsch-österrei- chische Krimiserie „Der Pass“, Hoffmann für das britische Kleinod „The end of the f***ing world“ und Husmann für das US- amerikanische Machtpokerspiel „Succes- sion“, während sich Hess leidenschaftlich, aber letztlich vergeblich für ihre Lieblings- serie „Derek“mit RickyGervais starkmacht. Neben diesen versteckten Perlen diskutiert dasQuartett natürlich auch die achte Staffel von „Game of Thrones“, die Ralf Husmann als „Lindenstraße mit Drachen“ empfand, oder das gefeierte deutsche Vorzeigeprojekt „BabylonBerlin“, dasAnnetteHess an einen schnöden „TKKG“-Kriminalfall erinnerte. Einig sind sich die Serien-Junkies aber darin, dass sich seit dem „Erbe der Gulden- burgs“ viel inderdeutschenSerienlandschaft getan hat. Annette Hess spricht von einer „Goldgräberstimmung“ in ihrer Branche, Kurt Krömer fordert ein Ende aller Minder- wertigkeitskomplexe, undRalfHusmann ist guter Hoffnung, dass die Qualität, die deut- sche Sender seit Jahrzehnten verlässlich bei 90-minütigen Einzelstücken zeigen, auch in seriellen Produktionen zunehmen wird. „Seriös – das Serienquartett“ In ONE diskutieren Serienfans und Serien- macher über ihre Favoriten. »Seriös – das Serienquartett« läuft ab 27. September immer am letzten Freitag einesMonats undwird vor Studiopublikum in einem Atelier auf dem Gelände der alten Wachsfabrik in Köln aufgezeichnet. Das Panel besteht aus vier Serienliebhabern und kann auch mal wechseln. In WDR print verraten die Quartett- Mitglieder der Pilotfolge exklusiv, auf welche Serien sie nichts kommen lassen und auf welche sie gern verzichten wür- den.Krömer liebt„Die Sopranos“, „24“ und „Lost“, kann aber „The Walking Dead“, „Californication“ und „jede Serie, die mit CSI anfängt“, nicht ausstehen. Husmann zieht den Hut vor den Kollegen, die „The Wire“, „Louie“ und „The Shield“ gemacht haben, und saß fassungslos vor „Lasko, die Faust Gottes“ und „Bernds Hexe“. Hess mag die Ricky-Gervais-Serien „Derek“ und „Extras“ und den deut- schen Klassiker „Ich heirate eine Familie“, kann abermit „Forsthaus Falkenau“, „Baby- lon Berlin“ und „Breaking Bad“ nichts anfangen. Hoffmann schaut gern „This Is Us“, „How to get away with Murder“ und „UnREAL“. Bei „Breaking Bad“ und „The Walking Dead“ schaltet sie sofort ab. Michael Scholten Staffel acht von „Game of Thrones“: „Lindenstraße mit Drachen“? Bestreiten die Pilotfolge von »Seriös – das Serienquartett« (v. l.): Kurt Krömer, Annette Hess, Ralf Husmann und Annie Hoffmann. Foto: WDR »Seriös – das Serienquartett« ONE FR / 27. September / 21:00

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