WDRprint Sept./Okt. 2019

42 Hörfunk Parole V. Ich werde nicht hassen Ein Signalbild für Widerstandskraft und Zusammenhalt Foto: Sebastian Mohammad-Ali Behboudi spielte die Hauptrolle auch imAachener Theater „DAS DA“. „Unser Hörspiel greift den Umgang mit globalen Krisen auf: Wie gehen wir mit der Me-too-Debatte um? Was sollen wir ange- sichts der Klima-Veränderung tun?Was bedeuten für jede Einzelne die ökonomischen Herausforderungen?“ So beschreibt die verant- wortliche Redakteurin Hannah Georgi „Parole V. Eine feministi- scheVerstärkung“. Darin gebenFrauenundMädchenAnregungen, wie sich aktuellen gesellschaftlichen Debatten begegnen lässt. Hannah Georgi: „Resilienz heißt gerade das Zauberwort. Aber ist dieWiderstandskraft der Einzelnen wirklich die Lösung für globale Krisen?“ Im Gespräch mit Frauen und Mädchen aus dem Essener Stadtteil Katernberg sammelte Autorin Katharina Pelosi Aussagen und Gedanken zu alltäglichen Strategien des Überlebens undWiderstands. Aus Parolenwie: „Ich bin eine starke Frau“, „Ich bin hilfsbereit“ oder „Ich bin utopisch“, werden viel- stimmige, kämpferische Chöre, die Komponistin Julia Klomfass für die Sängerinnen der Vocal Crew Dortmund arrangierte. In diese Autoinstallation, die bereits im Rahmen einer Aus- stellung bei PACT Zollverein Essen zu hören war, verwebt Katha- rina Pelosi Interviews mit Frauen aus ihremNetzwerk. „Über alle AltersgruppenundHintergründe hinwegwirddarineines deutlich: Mit der viel beschworenen Individualität, als Einzelne, kommt niemand weiter“, so Hannah Georgi. „Netzwerken, zusammen- halten, sich umeinander küm- mern, das macht Frauen und Mädchen sichtbar. Und lässt sie Krisen besser bewältigen.“ Gegen alles, was nervt, schreien sie in „Parole V. Eine feministi- sche Verstärkung“ zurück. hei „Wenn meine Töchter die letzten Opfer wären, könnte ich ihren Tod akzeptieren.“ 16. Januar 2009 – Izzeldin Abuelaish, Arzt im Gazastreifen zwischen Israel und Ägypten, berichtet live im israelischen Fernsehen: „Unser Haus wurde bombardiert, drei meiner acht Töchter sind tot.“ Das Schicksal Abuelaishs geht umdieWelt. 2011 erscheint seine Autobiographie„Dusollstnichthassen:MeineTöchterstarben,meine Hoffnung lebtweiter.“Drei Jahre späterwirddieMonologfassung für die Bühne vomTheaterhaus Stuttgart uraufgeführt. „Ich bin in Stuttgart auf Abuelaishs Geschichte gestoßen und habe gesehen, dass sie als Hörspiel funktionieren würde“, sagt Hör- spielregisseurin Claudia Johanna Leist. „Ein Mann, der allen Grund hätte, zu hassen, kämpft um Verständigung und Aussöhnung – das machteinHörspielüberAbuelaishsLebenzuetwasganzBesonderem.“ In drei Teilen erhalten die Hörer*innen einen Eindruck vom vielschichtigen Leben dieses ungewöhnlichen Menschen: von sei- nemRingen um Bildung, seiner Nähe und Liebe zur Not leidenden Familie imGaza-Flüchtlingslager von Jabaliya und von seiner Arbeit alsGynäkologeaneinemisraelischenKrankenhaus, indemer als ers- ter palästinensischerArzt praktizierenund sichweiterbildendurfte. Wie in der Stuttgarter Bühnenfassung wird auch im Hörspiel der iranisch-deutsche Schauspieler und Regisseur Mohammad-Ali Behboudi die Rolle des älteren Dr.Abuelaishübernehmen.Leist: „Wir werden ein WDR-Inter- view vonJanuar2019verwenden, in demAbuelaish erzählt, wie es mit ihm und seiner Familie seit- herweitergegangen ist,was seine Pläne und Ziele sind.“ hei Hörspieltipp September Hörspieltipp Oktober WDR 3 MO, DI, MI / 14., 15., 16. Oktober / 19:04 Parole V. Eine femi- nistische Verstärkung WDR 3 DO / 19. September / 19:04 Redakteurin Hannah Georgi Foto: privat Ich werde nicht hassen Regisseurin Claudia Johanna Leist Foto:Bieler Foto: Anneck

RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ3NzI=