WDRprint Sept./Okt. 2019

62 Cristian Măcelaru nimmt Musiker und Publikum gleicher- maßen für sich ein: Jörg Sädler beobachte- te den Rumänen bei seiner ersten Probe als designierter Chef- dirigent des WDR Sinfonieorchesters. Am 6. September diri- giert Măcelaru in Köln sein Antrittskonzert. CRISTIAN MĂCELARU EINMEISTER DER KO Cristian Măcelaru hat kaum geschla- fen. „Schon seltsam, vor Konzerten habe ich nie Lampenfieber“, erzählt er, „aber vor der ersten Probe bin ich immer aufgeregt. Ich bin absolut von der Rolle und kann nicht schlafen.“ Müdigkeit ist ihm bei seiner ers- ten Probe als designierter Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters allerdings nicht anzumerken. Lockere Arbeitsatmosphäre Auf demPlan steht einvonNicoMuhly, Sven Helbig und Zhou Long geschriebenes Cellokonzert für einGastspiel bei denDresd- ner Musikfestspielen. Konzentriert leitet der 39-Jährige, der zur Saison 2019/20 die Nach- folgevonJukka-PekkaSarasteantritt,mitprä- zisenBewegungendesTaktstocksdasOrches- ter, feilt an einzelnen Passagen und arbeitet tierte er als Gastdirigent mit einer ganzen Reihe erstklassiger Klangkörper – darun- ter Orchester von New York, Amsterdam, Leipzig und Paris. Auch dasWDR Sinfonie- orchester hat er schon mehrfach dirigiert. Neben seiner offenen Art war es seine von Klassik bis Moderne reichende Vielseitig- keit, die die Musiker beeindruckte und ihm bei der Suche nach einem neuen Chefdiri- genten Pluspunkte einbrachte. „Er ist ein extrem vielseitiger, dem Publikum zuge- wandter Dirigent und Kommunikator“, so Orchestermanager Siegwald Bütow. Dass sich die Präsentation von Orchestermusik im digitalen Zeitalter neu orientieren muss, war für WDR Programmdirektorin Valerie Weber einweiteresKriterium: „Es istwichtig, dass wir neue Ausdrucksformen und Kon- zepte finden. Und da hat Cristian Măcelaru in denUSA viel Erfahrung gewonnen, die er subtileKlang- undDynamiknuancenheraus. Dabei stellt ernieseineVorstellungdominant indenVordergrund, sondern zeigt stets, dass esihmdarumgeht,diePartiturzusammenmit denMusikern in lebendige Klänge umzuset- zen.„EinTeilmeinesJobsistes,demOrchester zuhelfen, seineeigenekünstlerische Identität zufinden“, sagtMăcelaru. Dabei kommt ihm zugute, dasser alsGeigerundKonzertmeister selber die Musikerseite erlebt hat. „Dadurch habe ich auch die psychologische Dynamik eines Orchesters kennengelernt.“ So helfen nach vier Stunden konzentrierter Arbeit auch schon mal ein paar witzige Bemerkun- gen, eine lockere, aber trotzdemkonstruktive Atmosphäre zu erhalten. Nachacht JahrenalsDirigent zähltCris- tianMăcelaru zu denHoffnungsträgern der Orchesterlandschaft.NebenseinemEngage- ment beim Philadelphia Orchestra konzer-

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