WDRprint Nov./Dez. 2019

Es war wohl das „heißeste“ sportliche Großereignis der ver- gangenen Jahre: Mit Temperaturen rund um die 40 Grad verlangte die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha den Sportler*innenwiedenJournalist*innenallesab. Indrei Jahren ist die Hauptstadt Katars dann Schauplatz der Fußball-Welt- meisterschaft. Über dieBedingungenvorOrt sprachChristian SchymamitWDR-ModeratorClausLufen, derdieSendungenin derARDzusammenmitExperteFrankBusemannpräsentierte. Wie ist es, wenn man in Katar aus dem Flugzeug steigt? Es ist kaum zu beschreiben, innerhalb von zwei Minuten klebt die Kleidung am Körper. Aber die hohen Temperaturen sind nur das eine, hinzu kommt die immense Luftfeuchtig- keit von 75 Prozent. Und die machte den Athleten ganz beson- ders zu schaffen. Aber bei der Fußball-WM im November und Dezember ist es voraussichtlich nur noch knapp 30 Grad warm. Im Stadion war die Hitze ja dann kein Thema mehr ... Eine riesige Klimaanlage mit 500 Düsen auf drei Ebenen hat durchgängig für 26, 27Grad gesorgt. UnddieBilanz offenbarte dann auch insgesamt überdurchschnittliche Leistungen der Athleten. MedienzentrumundArbeitsbedingungenwaren absolut professio- nell unddamit gabes keinenUnterschiedzuanderenGroßveranstal- tungen. Der umweltpolitische Fußabdruck, den die Klimaanlagen in Katar hinterlassen, ist natürlich ein anderes Thema. Es gab auch reichlich Kritik hinsichtlich der vielen Sportler, die im MarathonundGehenaufgrundder extremenHitzeaufgebenmussten. Keine Frage, es darf nicht passieren, dass Sportler kollabieren. Und die Ausfallquote war auch trotz der Nacht-Sessions höher als sonst. Allerdings gab es auch bei Ausdauer-Wettbewerben in anderen Ländern schon erhöhte Ausfälle. Auchdasmangelnde Zuschauerinteresse imStadionwurdemoniert. Die Leichtathletik genießt in Katar einfach nicht den Stel- lenwert wie etwa Handball oder Fußball. Zudem liefen aufgrund der schwierigen Rechtevergabe keine Livebilder im katarischen Fernsehen. Ohne Athletinnen oder Athletenmit Medaillenchan- cen wäre aber wahrscheinlich selbst in Deutschland das Stadion halbleer. In den letzten Tagen waren es dann auch 20.000 – undWeitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo sprach später sogar von einer phantastischen Atmosphäre. Apropos: Zuschauer undBegeisterung.Wie könnte das bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 aussehen? Da wird die Begeisterung sehr groß sein, das ist jetzt schon spürbar. In jedem Café sind Spiele aus den arabischen und euro- päischen Ligen zu sehen. Die Stadien sind im Bau oder fast fertig, die U-Bahn ist es bereits. Rund um die Uhr werden Hotels gebaut. Der große Vorteil wird sein, dass alle Spiele in einer Stadt ausgetra- gen werden. Das am weitesten entfernte Stadion ist 70 Kilometer außerhalb. Man benötigt nur ein Hotel, das hat für die Fans einen besonderen Anreiz. Wie macht sich die politische Situation bemerkbar? Es ist wichtig, dass sich jeder vor Ort sein eigenes Bildmacht. Auffällig ist der große Respekt gegenüber den Staatsbedienste- ten, überhaupt die Angst, etwas falsch zu machen. Das gilt vor allem für die gut zwei Millionen Gast- arbeiter und Zugewanderten. Natür- lich macht sich auch der Boykott von Saudi-Arabien und seinen Verbünde- ten bemerkbar, viele Geschäfte sind geschlossen, weil sie keine Waren bekommen. Könnten Hooligans zum Problem werden? Das wird ohne Frage eine Herausforderung. Fans unterschied- licher Nationalitäten werden auf engstem Raum aufeinander tref- fen. Alle in einer Stadt. Die Fifa arbeitet sicher mit den Ausrichtern intensivanentsprechendenSicherheitskonzeptenundSzenarien.Die Einreisebestimmungen werden wohl sehr restriktiv. Aber es kann theoretisch auch ein Fest der Begegnung werden. Katarer sind Fußballfans Claus Lufen moderierte in Katar die Leichtathletik-WM. Foto: Krause „Bei der Fußball-WM 2022 werden alle Spiele in einer Stadt ausgetragen.“ 40 Fernsehen

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