WDRprint Nov./Dez. 2019

65 Im Gespräch Zahlen wir zu viel für Strom? Welche Diät ist nutzlos oder sogar gefährlich? Und wie passen Missstände in Pflegeheimen mit hohen Gewinnen zusammen? Fra- gen wie diesen geht »Servicezeit«-Moderator Dieter Könnes nach. In »Könnes kämpft« setzt sich der 47-Jährige dafür ein, dass Verbraucher zu ihrem gutenRecht kommen– obbeimnicht ausgezahlten Lottogewinn oder, wie in der bald ausgestrahlten 50. Folge,wennesum Baupfuschgeht. Sechsneue Staffeln gibt es, wir treffen den „RobinHood des WDR“ imCafé Espresso Perfetto in Köln. Wie wird man zum „Robin Hood des WDR“? Das ist ein Format, das zu mir als »Servicezeit«-Modera- tor passt. Ich kümmere mich gerne um die Themen, die die Verbraucher beschäftigen. Wir haben mit ganz kleinen Fäl- len angefangen – Ärger beim Wechsel des Telefonanbieters beispielsweise – und dann gemerkt, dass oftmals etwas ganz Großes dahintersteckt. Was war Ihr spektakulärster Fall? Bei uns meldete sich jemand, der sich seine Lebens- versicherung in Raten auszah- len lassen wollte, plötzlich aber kein Geld mehr bekam. Wir haben recherchiert und einen Betrug in großem Stil aufge- deckt –Wirtschaftskriminalität mit einer Schadenssumme im zweistelligenMillionenbereich. Dahinter steckte eine Frau, die mit internationalemHaftbefehl gesucht wurde. Und wir haben sie gefunden: imFerienhaus der Mutter in Holland! Wie haben Sie das denn geschafft? Das war unser Spürsinn. Wir haben da eine Terrier-Men- talität und beißen uns fest. Wir sind dem Fall nachgegangen undwollten dieMutter mit den Betrügereien ihrer Tochter kon- frontieren. Die war gerade zu Besuch – und kam für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Es war also auch Glück dabei. Wie kommen Sie an die Themen? Betroffene melden sich bei uns. Wir gehen aber auch Dingen, die uns auffallen, auf den Grund: Warum nimmt die Bauqualität ab? Wohin geht es mit der Pflege? Dann starten wir auch mal einen Aufruf über die Sozialen Medien. Und wir arbeiten mit demWDR-Hörfunk zusammen. Auf einen Kaffee mit Dieter Könnes Was muss ein Fall haben, damit Könnes kämpft? Er muss gesellschaftliche Relevanz besitzen. Wir prü- fen: Hat der Fall System, eine Masche? Zudem eine politische Dimension? Selbst wenn wir im Einzelfall nichts erreichen sollten, erreichen wir etwas für die Allgemeinheit. Als Jour- nalisten, die für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbei- ten, ist es unsere Aufgabe, den Finger in die Wunde zu legen. ZumBeispiel das ThemaWohnen: Vor sechs Jahren haben wir erstmals über die steigendenMieten berichtet. Wir decken die Missstände auf. Was geht Ihnen persönlich besonders nahe? Ich erinnere mich an einen Fall von „Love Scam- ming“: Eine Frau ist beim Online-Dating auf einenBetrü- gerhereingefallenundhatnicht nur ihre gesamten Ersparnisse verloren, sondern auch ihre Familie, die sich abwendete. Tragisch, denn diese Frau war in einer psychisch nicht sehr stabilen Situation auf den Betrug hereingefallen. Damusste ich schlucken. Immerhin: ImZuge der Dreharbeiten wurden Drahtzieher festgenommen. »Könnes kämpft« informiert also nicht nur, sondern macht die Welt auch etwas besser. Und das Leben etwas einfacher: Eine Frau schrieb uns, dass sie Ärger mit ihremKüchenhersteller hatte. Wochenlang wartete sie auf einen Termin. Dann drohte sie mit »Könnes kämpft« – und prompt standen die Leute vor der Tür. Mit Dieter Könnes sprach Ina Sperl WDR FERNSEHEN MI / 4., 11., 18. Dezember, 8., 15., 22. Januar / 21:00 »Könnes kämpft« Ein Fall von „Love Scamming“ ging Dieter Könnes besonders nahe. Foto: WDR/Anneck Inzwischen deckt die Verbrauchersendung »Könnes kämpft« sogar Wirtschaftskriminalität in großem Stil auf.

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