WDRprint März/April 2020

56 Nachruf „DenPatendesneuendeutschenFilms“ nannte ihn Willi Winkler in seinem Nach- ruf in der Süddeutschen Zeitung. Undwenn man sich die Namen der Regisseur*innen anschaut, deren Filme Joachim von Men- gershausen im Laufe der 30 Jahre, die er als Redakteur, Dramaturg und Produzent für den WDR tätig war, mit der ihm eigenen Beharrlichkeit unterstützt und ermöglicht hat, dann liest es sich wie das Who’s who dieser großen Aufbruchszeit des deutschen Films: Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Edgar Reitz, Ulrike Ottinger, Ula Stöckl, PeterLilienthal, LucBondyundspäter Rosa vonPraunheim, JanSchütte, Christoph Schlingensief ... VomFilmemacher zumWDR-Redakteur JoachimvonMengershausenkam1970 zum WDR in die Redaktion Fernsehspiel unter ihrem damaligen Chef Günter Rohrbach. Zuvor hatte er sich bereits in derMünchner Filmszene einen Namen als Filmkritiker und Filmemacher gemacht. Die Leiden- schaft für den Kinofilm blieb, aber nicht weniger leidenschaftlich widmete er sich demFernsehen. Unter den von ihmverant- worteten Filmen finden sich zeitgeschicht- Ein Kämpfer und Förderer lich so herausragende Werke wie „Paris Texas“ und „Der Himmel über Berlin“ von Wim Wenders, aber auch „Heimat“ und „Die zweite Heimat“ von Edgar Reitz hätte es ohne sein unermüdliches Engagement, mit dem er die von ihm unterstützten Pro- duktionen im Sender durchsetzte und in schwierigen Situationen für sie kämpfte, nicht gegeben. Zugleich blieb er stets neu- gierig, entdeckte immer neue Talente, richtete sein Interesse auch auf andere Filmkulturen und unterstützte beispiels- weise den afrikanischen Spielfilm in Form internationaler Koproduktionen – auch das ein Stück Filmprofil des WDR. „Du hast den unterschiedlichsten Filmemachern zur Seite gestanden, ihnen ermöglicht, eine eigene Stimme zu haben, eine eigene Haltung, eine eigene Einstel- lung, und du hast damit den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens im ur- Mit seinem Laudator Wim Wenders 2015 bei der Verleihung des Ehrenpreises der deutschen Filmkritik: der frühere WDR-Redakteur Joachim von Mengershausen. Er starb 83-jährig am 22. Januar. Foto: privat eigensten Sinne erfüllt“, soWimWenders in seiner Laudatio anlässlich der Verlei- hung des Ehrenpreises der deutschen Film- kritik 2015 an JoachimvonMengershausen. So treffend diese Worte sein nachhaltiges Wirken beschrieben, so bezeichnend auch die Reaktion des Gewürdigten: „Mir sind die Tränen gekommen, bei dem, was der Wim da über mich erzählte. Ich habe das nie so empfunden. Ich war immer die Unschuld vom Lande und bin das auch geblieben, bis mir der Wimnun die Augen geöffnet hat.“ Wir trauern um unseren Kollegen Joachim von Mengershausen, der am 22.1.2020 im Alter von 83 Jahren gestor- ben ist. Er hat das filmische Profil des Westdeutschen Rundfunks in besonderer Weise geprägt. Andrea Hanke, Programmbereich Fernsehfilm, Kino und Serie „Paris Texas“, „Himmel über Berlin“, „Heimat“ – mit diesen Werken des ambiti- onierten WDR-Films ist der Name Joachim von Mengershausen verbunden. Ein Nachruf von Andrea Hanke. Joachim von Mengershausen (†)

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