WDRprint Oktober 2018

15 14 Gesellschaft Gesellschaft Spannendes Doku-Drama DIE ALDI-BRÜDER Das Doku-Drama „Die ALDI- Brüder“ erzählt die Geschichte der Entführung Theo Albrechts, eines der reichsten Menschen seiner Zeit. Darüber hinaus rollt der Film die Erfolgsgeschichte der Albrechts auf: vom Tante- Emma-Laden in Essen-Schonne- beck zum Discounter-Imperium. Keine Regale, kein Verkaufs-Personal, niedrige Preise, schmales Sortiment –Karl undTheoAlbrecht führtendasDiscount- Prinzip in Deutschland ein. Aus dem 1945 übernommenen Fami- lienbetrieb entwickelten sie ein riesiges Netz von Aldi-Märkten (der Name ist ein Akronym für „Albrecht Diskont“), das bis heute MassenvonKonsumentenmit LebensmittelnundDingendes tägli- chenBedarfs versorgt. DieGeschichte der Aldi-Brüder ist ein Stück deutscher Nachkriegs- und Wirtschaftsgeschichte. Die Albrechts: geheimnisvoll und medienscheu Am 29. November 1971 wird Theo Albrecht Opfer einer Ent- führung. Zehn Jahre zuvor hatten die Brüder ihren Konzern unter sich in Nord und Süd aufgeteilt. Ihre Geschäfte führen sie seit- dem getrennt. Die Täter, ein mehrfach vorbestrafter Einbrecher und sein verschuldeter Anwalt, fordern die mit sieben Millionen D-Mark bis dahin höchste Lösegeldsumme der bundesdeutschen Geschichte. 1979 klagte Theo vor dem Finanzgericht Münster: Er wollte die Ausgabe als Betriebskosten in seiner Steuererklärung geltend machen. Das Gericht erklärte die Entführung jedoch zur Privatsache und gestattete nur das Absetzen als „außergewöhn- liche Belastung“. Für sein von NDR, SWR und federführend vom WDR koproduziertes Doku-Drama „Die ALDI-Brüder“ machte Regis- seur Raymond Ley die 17 Tage in Geiselhaft zum Dreh- und Angelpunkt seiner Erzählung über eine der erfolgreichsten und gleichsamgeheimnisvollstenUnternehmerfamilienDeutschlands. Mit zahlreichen Rückblicken in Kindheit und Aufbau des Han- delskonzerns ergründet der Film die Persönlichkeit der beiden Albrecht-Brüder und ihre Beziehung untereinander. Die immer schon medienscheue Familie der beiden bedeutendsten Unter- nehmer der jungen Bundesrepublik bleibt bis heute ihren Prinzi- pien treu. Im Zuge seiner Recherchen sprach Ley mit Zeitzeugen. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Theo und Karl Albrecht noch persönlich kannten, kommen im Film zu Wort. Warum wurde Theo und nicht Karl entführt? Darüber hinaus konnte der Regisseur, Spezialist für Doku- Dramen, Einsicht in die Ermittlungsakten sowie das Urteil zum Entführungsfall nehmen. „Das hat geholfen zu verstehen, wie die Aldi-Brüder mit den Entführern kommunizierten, um Theo Albrechts Leben zu schützen. Der Dilettantismus der Entführer hat aus heutiger Sicht etwas tollpatschig Pittoreskes – trotzdem hatte Albrecht Todesangst“, erklärt Ley. Von da an sei klar gewe- sen, dass die Story des Aldi-Erfolgs ausgehend von dieser Krimi- nalgeschichte erzählt werdenmusste. Schon die Begründung der Entführer, warum sie Theo und nicht Karl auswählten, sagt viel über die Charaktere der Brüder aus. „Ich interessiere mich generell für zeithistorische und politi- sche Stoffe“, sagt Ley. Der Regisseur von Filmenwie „Meine Toch- ter Anne Frank“ oder „Eichmanns Ende“wurde unter anderemmit demGrimme-Preis und demDeutschen Fernsehpreis ausgezeich- net und reüssierte auf zahlreichen internationalen Festivals. Der Filmemacher ist besonders glücklich über die „starke Besetzung“ der Hauptrollen. Christoph Bach („Charité“, „Finsterworld“) als Karl undArndKlawitter („Homeland“, „Gladbeck“) als Theo sowie Peter Kurth („Babylon Berlin“) und Ronald Kukulies („Gladbeck“) als Entführer verleihen den Figuren Persönlichkeit, so Ley. Am7.OktoberfeiertdasDoku-Drama„DieALDI-Brüder“inAnwe- senheit der Darsteller auf dem Film Festival Cologne Premiere. Am 22. ist der Filmzur Prime-Time imErsten zu sehen. Christine Schilha Das Erste MO / 22. Oktober / 20:15 Die ALDI-Brüder Eine der seltenen Aufnah- men von Karl Albrecht (l.) und Bruder Theo. Die Aldi-Brüder galten als sehr medienscheu. Foto: laif Die Entführer Ollenburg (Peter Kurth, l.) und Kron (Ronald Kukulis, 2. v. r.) treffen mit dem entführten Theo (Arndt Klawitter, 2. v. l.) auf Bischof (Hans-Peter Deppe). Foto: WDR/Schulz

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