WDRprint Oktober 2018

19 18 Hörspiel Mysteriöse Morde und politische Umbrüche im Berlin der Weimarer Republik, und mitten drin Gereon Rath: Die ARD bringt Volker Kutschers Romanfigur mit „Babylon Berlin“ und „Der nasse Fisch“ gleichzeitig ins Fernsehen und ins Radio. Ein Blick hinter die Kulissen der Hörspielproduktion. DER NASSE FISCH Hörspielstudio 6, WDR Funkhaus Köln. Regisseur Benjamin Quabeck wechselt ständig zwischen zwei hintereinanderliegenden Räumen.IndersogenanntenNebenregieschneidetTontechnikerJens Peter Hamacher, unterstützt von Regieassistentin Sophie Garke, die Szenen vor und fügt Geräusche hinzu. „Die Klänge eines altenAutos oder Spree-Kahns sind gar nicht so einfach zu beschaffen“, erklärt Quabeck,„esgibtGeräuscharchivefürdasMittelalteroderdieStraßen- Atmo vom heutigen New York auf Knopfdruck – aber gerade für die 20er-Jahre findet man wenig.“ Da müsse man sich die Sounds selbst zusammentüfteln. Das mache zwar Spaß, aber auch viel Arbeit. „Das Maschinen- gewehr würde ich er- setzen. Der Schuss klingt momentan eher komödiantisch, der muss viel leiser, aber viel satter sein.“ Der Regisseur wendet sich an Tonmeister Benno Müller vom Hofe. Der kümmert sich im zweiten Raum, der großen Regie, um das finale Sounddesign. Er mischt Sprache und Musik, passt Lautstär- ken an, lässt Räumlichkeit und Stimmungen entstehen. „Achtung, Achtung, weg von den Fenstern, es wird geschossen!“, schallt es aus den großen Lautsprechern. ZumEnde des erstenTeils befinden wir uns mitten im Blutmai 1929, als die Berliner Polizei bei KPD- Demonstrationen 33Menschen tötet. KutschersKrimireihe umden vom ErstenWeltkrieg gezeichneten Kommissar Gereon Rath, der aus Köln in den Dschungel Berlin versetzt wird, verwebt immer wieder Fiktion mit historischen Ereignissen und Personen. Sieben Wochen dauern Schnitt und Mischung insgesamt, noch dreieinhalb liegen vor dem Team. Zum 30. September sollen bereits alle acht Teile des Hörspiels online veröffentlicht werden, dann folgt die Radioausstrahlung in allen Kulturradios der ARD. „Wie bei so großen Projekten nicht unüblich, haben wir die Pro- duktion arbeitsteilig gestemmt“, erklärt Martina Müller-Wallraf, die Leiterin des Ressorts Hörspiel im WDR. Radio Bremen traf als federführender Sender die inhaltlichen Entscheidungen. Die Sprachaufnahmen – unter anderem mit Ole Lagerpusch, Alice Dwyer, Ulrich Noethen, Peter Lohmeyer, Uwe Ochsenknecht, Reiner Schöne, Meret Becker und Udo Schenk – fanden beim rbb imhistorischenBerliner Vorkriegs-Funkhaus an derMasurenallee statt. Der WDR schließlich zeichnet für die Mischung und den Sound sowie für die Musikaufnahmen verantwortlich. Das WDR Funkhausorchester spielte den Soundtrack ein, den Verena Guido eigens für das Hörspiel komponierte. Er lässt mit zeitgenössischen Anklängen die flirrenden 20er-Jahre wieder aufleben. Im Idealfall entsteht eine solche Komposition anhand fertiger Szenen. Da das Orchester aber nur imMai verfügbar war, musste die Komponistin ihre Partitur fertigstellen nochwährend die Dialogbücher entstanden. „Das war ein Drahtseilakt“, gesteht Quabeck, „aber glücklicher- weise gehen unsere Konzepte voll auf.“ ➔ Das Keyvisual der Hörspielserie Alle acht Teile der opulenten Hörspielserie gehen erst online, dann in alle Kulturradios der ARD. Bei den Aufnahmen der Hör- spielserie „Der nasse Fisch“ von Radio Bremen, rbb und WDR (v. l.): Peter Lohmeyer (Wolter), Peter Sattmann (Ernst Gennath), Alice Dwyer (Charly Ritter), Ole Lagerpusch (Gereon Rath) und Udo Schenk (Zörgiebel). Fotos: rb/Ghandtschi

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