WDRprint Oktober 2018

„WIRMÜSSEN DENMUT HABEN, DIESES THEMA ZU BEWÄLTIGEN.“ Der WDR hat im April 2018 die frühere ÖTV-Vorsitzende Monika Wulf-Mathies damit beauftragt, unab- hängig zu prüfen, wie der WDR mit Hinweisen auf sexuelle Belästigung umgegangen ist. Jetzt liegt das Ergebnis vor. Tom Buhrow: „Ich werde alles dafür tun, damit so etwas nicht mehr vorkommt. Einiges haben wir schon umgesetzt, aber wir haben noch einen Weg vor uns. Es geht nicht nur um #metoo, es geht um einen richtigen Kulturwandel.“ Für ihre unabhängige Prüfung erhielt Wulf-Mathies unter Einhaltung der Datenschutzvorgaben Zugang zu allen Informati- onen, Vorgängen und Gesprächspartnern – jetzt liegen die Ergeb- nisse vor. MonikaWulf-Mathies hat in den vergangenenMonaten auf Bitte von WDR-Intendant Tom Buhrow untersucht, wie der WDR mit Hinweisen auf sexuelle Belästigung umgegangen ist. Am 12. September 2018 stellte die ehemalige EU-Kommissarin und Gewerkschafterin den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des WDR sowie der Öffentlichkeit ihren Prüfbericht vor. Monika Wulf-Mathies hat mit rund 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Programm und Verwaltung sowie mit der Geschäftsleitung, der Personalratsvorsitzenden, der Gleichstel- lungsbeauftragten sowieMitgliedern des Interventionsausschus- ses gesprochen. Darüber hinaus hat sie die Unterlagen zu bekannt gewordenen Fällen von sexueller Belästigung im WDR geprüft. Viele Fälle reichen in die 90er Jahre zurück. Die Sichtung der Unterlagen habe zwar ergeben, dass die Verantwortlichen in der Vergangenheit entsprechenden, meist anonymen Hinweisen nachgingen. Aber: „Generell lässt sich für diese Fälle sagen, dass ein größerer Ermittlungseifer notwendig gewesen wäre.“ Monika Wulf-Mathies gibt allerdings zu beden- ken, dass es zu dieser Zeit in der Gesellschaft insgesamt keine große Sensibilität für das Thema gegeben habe. Heute reagiere der WDR sehr viel schneller und konsequenter. Verantwortliche bemühten sich intensiv um Aufklärung und trä- fen arbeitsrechtliche Maßnah- men. Monika Wulf-Mathies wies darauf hin, dass bei diesem Thema Entscheidungen nicht leicht seien – gerade vor dem Hintergrund der Unschuldsvermutung – , und dass es sich häufig um anonyme Hinweise handele. Mit Blick auf die Vorfälle in der Vergangenheit sagt Tom Buhrow: „Es tut mir persönlich und im Namen des WDR leid, dass die Betroffenen dies erdulden mussten. Dafür möchte ich um Entschuldigung bitten. Ich werde alles dafür tun, damit so etwas nicht mehr vorkommt. Ein solches Verhalten hat imWDR keinen Platz und wird sanktioniert.“ Neben dem Aufzeigen von Defiziten hat Monika Wulf- Mathies eine Vielzahl von Verbesserungsvorschlägen erarbeitet und WDR-Intendant Tom Buhrow viele Empfehlungen mit auf denWeg gegeben. Dazu zählen die Einrichtung einer dauerhaften externenAnlaufstelle für Betroffene und eine neue, umfassendere Dienstvereinbarung mit der Einrichtung einer Clearing-Stelle. WDR-Intendant Tom Buhrow: „Ich bin Frau Wulf-Mathies dankbar, dass sie sich so intensiv mit demWDR beschäftigt hat. Wir nehmen ihre Empfehlungen sehr ernst und beraten gerade, wie wir sie umsetzen.“ Viele Dinge sehe er ähnlich wie sie: „Die #metoo-Fälle haben bei uns imWDR zu einer neuen Sensibilität geführt, nicht nur im Umgang mit sexueller Belästigung und Machtmissbrauch.“ Auch die Gespräche von Monika Wulf-Mathies haben gezeigt, dass es um mehr geht als um #metoo – nämlich häufig auch um das Erleben von Machtmissbrauch oder eine Unzu- friedenheit mit dem Betriebsklima. An dieser Stelle müsse man ansetzen, so Wulf-Mathies – es gehe um mehr Wertschätzung untereinander und einen besseren Umgang miteinander. Die interne Kommunikation müsse gestärkt, mehr Feedback-Mög- lichkeiten geschaffen und ein nachhaltiger Kulturwandel ange- stoßen werden. Dabei seien feste und freieMitarbeiterinnen undMitarbeiter sowie Führungskräfte gemeinsamundmiteinander gefordert, so Tom Buhrow: „Wir müssen den Mut haben, zusammen dieses Thema ernsthaft anzugehen. Es soll kein Strohfeuer sein, sondern ein gemeinsamer Prozess.“ Die Geschäftsleitung des WDR hat parallel zur Untersu- chung vonMonikaWulf-Mathies diesen „Prozess für einen Kul- turwandel“ bereits in Gang gesetzt. Tom Buhrow: „Der WDR hat ein Betriebsklima, das auf Vertrauen und Respekt basiert. Dafür stehe ich, spüre aber auch, dass wir das weiter ausbauen müssen. Einiges habenwir schon umgesetzt, aber wir brauchen nochmehr Dialog, mehr Augenhöhe, mehr Verantwortung füreinander und den WDR.“ Der erste Workshop für Ideen und Lösungsansätze für ein respektvolles und dialogorientiertes Miteinander hat bereits Ende September stattgefunden. Parallel hat sich die Geschäfts- leitung mit den Einsendungen der Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter an das Postfach #besser- machen befasst. Rund 40 konkrete Vorschläge waren hier imNachgang zur #metoo-Debatte imSommer ein- gegangen. Einige der Vorschläge decken sich mit den Sofortmaßnahmen, die die Geschäftsleitung des WDR bereits Mitte April beschlossen hatte: darunter ein spezielles Infor- mations- und Schulungsangebot für den Umgang mit sexueller Belästigung, das bis Jahresende für alle Führungskräfte ver- pflichtend ist und Eingang in die Ausbildung der Volontäre, der Trainees und der Auszubildenden findet. Auch alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können dieses Angebot nut- zen. Die vomWDR imFrühjahr benannten Kanzleien als externe Anlaufstellen für Betroffene sollen perspektivisch von einem Interventionsteam und eine noch zu benennende dauerhafte externe Anlaufstelle abgelöst werden. Auch die bereits seit 2015 auf Bestreben von Tom Buhrow in Kraft gesetzte Dienstvereinbarung zum Schutz vor sexueller Belästigung wird momentan in Zusammenarbeit mit dem Per- sonalrat überarbeitet. Die Vorschläge vonMonikaWulf-Mathies fließen in die Beratungen mit ein. „Frau Wulf-Mathies hat selbst gesagt, dass vieles imWDR gut läuft, aber sie hatte den Auftrag zu untersuchen, was nicht gut läuft. Ich muss zugeben, dass ich bei der Präsentation etliche Male schlucken musste“, sagte Tom Buhrow bei der Betriebsver- sammlung im Herbst. Aber: Es gehöre zur Verantwortung der WDR-Spitze, sich auch Unangenehmes anzuhören. „Und diesen Mut, sich das anzuhören, erwarte ich auch von allen im WDR. Es ist ein Prozess, der uns guttun und stärker machen wird.“ Svenja Siegert „Es geht um einen richti- gen Kulturwandel, einen Prozess, der uns guttun und stärker machen wird.“ WDR Intendant Tom Buhrow und die frühere ÖTV-Vorsitzende Monika Wulf-Mathies Foto: WDR/Sachs Unternehmen 45 44 Unternehmen

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