WDRprint Oktober 2018

Berufsbilder 47 46 Drei Minuten vor zwölf. AbeloAfhakama sitzt an seinem Schreibtisch vor drei Bildschir- men und stellt vollkommen ruhig fest: „Jetzt wird’s wieder ein bisschen knapp.“Mit einem Klick druckt er die Meldungen für die Nachrichtensendung im WDR Hörfunk aus, die in nunmehr zwei Minuten und 15 Sekunden beginnt. An den Schreibtischen des Newsdesks, demGroßraumbüro von »WDR aktuell« in den Kölner WDR-Arkaden, herrscht konzentrierte Arbeitsatmosphäre, von Hektik keine Spur. Dem Redakteur gegenüber sitzt Moderator Christoph Hoff- mann. Er liest dieMeldungen nochmal durch, geht in das größere der beiden Sendestudios und setzt die Kopfhörer auf – alles eine Sache von Sekunden, denn die Studios befinden sich direkt hinter seinem Schreibtisch. Das Rotlicht geht an, und »WDR aktuell« ist auf Sendung. Abelo Afhakama hört zu – und ist gleichzeitig in Gedanken schonbei der 13-Uhr-Ausgabe. AlsNachrichtenredakteur bei »WDR aktuell« verantwortet er die Radionachrichten desWDR. Welche sind die wichtigstenNews aus Nordrhein-Westfalen, Deutschland und der Welt? Diese Entscheidung wird hier stündlich aufs Neue getroffen. Rund 20 Nachrichtenredakteurinnen und -redakteure sowie zahlreiche Freie arbeiten bei »WDR aktuell«. Acht verschiedene Arbeitsrollen Abelo Afhakama klickt sich durch die ständig eintrudeln- den Meldungen der Nachrichtenagenturen, um keine aktuelle Information zu verpassen. Gleichzeitig behält er den Fernseher imBlick, auf demdie Live-Übertragung einer Pressekonferenz zu den Ereignissen in Köthen läuft. Sie gehören zu den Topthemen des Tages, und er ist noch auf der Suche nach einem Zitat im Originalton, mit dem »WDR aktuell« um 13.00 Uhr aufmachen kann. An Producerin Christine Langner vergibt er den nächsten Auftrag: Sie soll ein weiteres Topthema aktualisieren, in dem es einmal mehr um Verfassungsschutzpräsident Maaßen geht. Gleichzeitig erreicht ihn von der anderen Seite desNewsdesks eine Anfrage. Lara Enste, die heute für die Regionalplanung zuständig ist, braucht eine Entscheidung: In Krefeld wurden Zebrastreifen in Regenbogenfarben angesprüht. Soll das Thema in die nächste Sendung? Dann muss noch eine Meldung gekürzt werden, und die 13.00-Uhr-Sendung rückt näher. Neben der aktuellen Arbeit reizen ihn die vielfältigen Auf- gaben in seinem Job. Afhakama: „Als Nachrichtenredakteur hat man im WDR viele verschiedene Arbeitsrollen. Bei mir sind es acht.“ Heute ist er als Senderedakteur verantwortlich für dieNach- richtensendung »WDR aktuell«, die die Hörer von WDR 2, 3, 4 und 5 informiert. Wenn er nachts arbeitet oder bei den Kollegen von 1LIVE und COSMO, steht er außerdem am Mikrofon, um die Nachrichten selbst zu präsentieren. An einemTag als Regioplaner kümmert er sich um die Themen aus dem Land, bei »Der Tag« um Abelo Afhakama ist Nachrich- tenredakteur bei »WDR aktuell«. Im Radio und über die sozialen Netzwerke versorgt er Hörer und Nutzer mit den wichtigsten Informationen des Tages. die zehnminütigen Nachrich- tenblöcke bei WDR 3, 4 und 5. Auch das Social Web gehört zum Aufgabengebiet der Nachrichtenredakteure. Wenn der WDR-Journalist am Social-Media-Desk sitzt, postet er Nachrichten über die »WDR aktuell«-Kanäle bei Twitter, Facebook undWhatsApp. „Hier geht es darum, möglichst viele Leute imNetz zu erreichen und mit ihnen in den Austausch zu kommen – und dieser Rückkanal ist sehr spannend.“ Außerdem betreut ein Nachrichtenredakteur den interaktiven Messenger- Dienst „1LIVE Informant“. „Sorgfalt geht immer vor“ „Unser Ziel ist es, objektiv und verständlich zu informieren“, sagt Afhakama. Zu den wichtigsten Quellen gehören die Agentu- ren wie DPA, AP und Reuters, die laut Afhakama täglich bis zu 5000Meldungen schicken, außerdemdie ARD-Korrespondenten in Deutschland und der Welt, die Kollegen in den NRW-Studios des WDR, andere Nachrichtensendungen und Online-Quellen. Schnell und aktuell müssen die Nachrichten sein, besonders dann, wenn Außergewöhnliches passiert. Wie zum Beispiel bei den Terroranschlägen von Paris amAbend des 13. November 2015, an dem auch Afhakama Dienst hatte. „Bei Twitter las ich von den ersten Explosionen in Paris rund umdas Fußballstadion“, erinnert er sich. Zunächst war es für ihn wichtig, diese Information aus dem Netz gründlich zu prüfen: Was war passiert? „Ich brauche mindestens zwei zuverlässige Nachrichtenquellen. Außerdem ist es gut, mit den Korrespondenten vor Ort zu sprechen, die eher ein Bild von der Lage haben“, erklärt der Redakteur. „Wir wollen schnell sein, aber Sorgfalt geht immer vor.“ Katrin Pokahr Wie wird man Nachrichtenredakteur bei »WDR aktuell«? „Man muss Neugier mitbringen, ein breites Allgemeinwissen und viel Erfah- rung als Journalist im aktuellen Tagesgeschäft. Auch in überraschenden Situ- ationen, etwa bei ,Breaking News‘, gilt es, umsichtig und entschlossen zu reagieren. Arbeiten im Team und die Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte in Kürze darstellen zu können, sind absolute Voraus- setzungen. Ein Hochschulstudium und ein Volon- tariat oder vergleichbare Berufserfahrung gehören ebenfalls dazu. Wir arbeiten in einem 24-Stunden- Schichtsystem an sieben Tagen in der Woche – man muss also mit dem Herzen dabei sein und Kondition haben. Mein Blick in die Zukunft: Nachrichtenredak- teurInnen werden mehr denn je gebraucht, für die News im Radio, im Netz und im Fernsehen. Damit unser Publikum weiß, was die Welt bewegt. Klaus Bochenek, Leiter der Programmgruppe Nachrichten Einer von uns: ABELO AFHAKAMA Nachrichtenredakteur Abelo Afhakama, heute in der Rolle des Senderedakteurs am Newsdesk von »WDR aktuell«. Foto: WDR/Dahmen Foto: WDR/Fußwinkel

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