WDRprint Oktober 2018

Immer auf Augenhöhe »Lokalzeit«: Die Neue in Duisburg Bislang arbeiteten sie als Sidekicks in der Morgenstre- cke, neuerdings präsentieren sie die Magazinstrecke von 10 bis 14 Uhr: die neuen COSMO-Moderatoren Shanli Anwar und Philipp Anft. „COSMOunddas Teamhabenmichviele Jahre geprägt, jetzt will ich den Sender mit meiner Stimme prägen“, sagt Shanli Anwar, die Ende September ihre ersteModerations- woche hatte. „Ich war erst Hörerin, dann Praktikantin und Autorin. Was mich hier fasziniert, ist die Kombination aus Herzblut und Haltung.“ Kollege Philipp Anft, der am8. Oktober startet, möchte am Mikro stets die richtige Balance finden: „Mit der Vermittlung des COSMO-Lebensgefühls und der Werte des Senders, die gerade wichtig sind wie selten zuvor.“ Shanli Anwar, geboren in Shiraz (Iran), kam1985 nachKöln. Nach dem Studium der Medien- und Kommunikationswissen- schaften in Duisburg, Hannover und San José kehrte sie nach Köln zurück – „auch dank WDR und Funkhaus Europa, dem Vorläufer von COSMO“, sagt die Axel-Springer-Preisträgerin. 2011/2012 absolvierte die Journalistin das Programmvolonta- riat beim WDR. Seither arbeitet sie als freie Mitarbeiterin und Maren Bednarczyk heißt die neueModeratorin imTeamder Lokalzeit Duisburg. Die 27-Jäh- rige präsentiert die Sendung seit September im Wechsel mit Ines Rothmeier und Marc Schulte. Den Beginn ihres journalis- tischenWegs markierte die Klas- senzeitung „Der kuriose bunte Mix der 5c“, und Karla Kolumna, rasende Reporterin in der Benja- min-Blümchen-Hörspielreihe.Bei- des zusammen inspirierteMaren Bednarczyk vor knapp 20 Jahren, Journalistin zu werden. „Fotos von der Klassenfahrt, Interview mit demMathe-Lehrer, dasGanze vonElternkopiert und getackert“, erinnert sichdiegebürtigeEssene- rin ans erste Blattmachen. Praktika unter anderem bei RadioVest, RadioOberhausenundbei derPressestellederDeutschen Sporthochschule folgten. Redakteurin beim Sender. Zudem moderiert Shanli Anwar bei Deutschlandfunk Nova und Deutschlandfunk Kultur. Philipp Anft – „Bio-Urkölner mit Dauer-Fernweh“ – machte seinenMaster in Philosophie und Politikwissenschaft sowie den Bachelor Journalistik inDortmund. Nach demWDR-Volontariat arbeitete der 31-Jährige weiter als freier Mitarbeiter und Redak- teur für den Sender – seit 2011. Themenschwerpunkte der beiden neuen COSMO-Modera- toren sind Migration, Integration und Interkulturalität, außer- dem internationale Politik, Pop- und Netzkultur sowie Musik. Und immer auf Augenhöhemit denMenschen imDialog bleiben – das ist ihr Ziel. Shanli Anwar: „Arroganz geht gar nicht.“ hei Eine Kölnerin aus dem Iran und ein „Bio- Urkölner“ – Shanli Anwar und Philipp Anft. Foto: WDR/ Görgen/Boxberg Maren Bednarczyk: „Live vor der Kamera zu stehen, war schon immer mein Traum.“ Foto: WDR/Fußwinkel „Meine WDR-Kontakte ent- wickeltensichab2011 – alsRedak- tionsstudentin imRegionalstudio Duisburg“, soMarenBednarczyk. Über das Journalistikstudium an der TUDortmundkamdie leiden- schaftliche Tennisspielerin und Mountainbikerin ans Volontariat – ebenfalls beimWDR. Seitdemblieb siedemSender treu. Zunächst alsReporterinund Autorin für »Frau tv«, »daheim + unterwegs«und alleRadiowellen. 2017 dann als Redakteurin im Regionalstudio Duisburg. Den Job gab sie nun für die Moderationskarriere auf, denn „live vor der Kamera zu stehen, war immer mein Traum.“ Auch wenn es ihr Plan sei, irgendwann wieder als Redakteurin zu arbei- ten. Trauminterviewpartnerin? „Ganz klar Angelique Kerber! Am liebsten kurz nachdem sie ihren Matchball imWimbledon-Finale 2019 verwandelt hat.“ hei 49 48 Medienmenschen Von Hans W. Geißendörfer GuntherWitte war treu, Gunther Witte war zuver- lässig. Er war der ehrlichste Mensch, den ich bisher in meinemLeben kennenlernen durfte. Bei der Beurteilung von Skripten kannte er keine Gnade oder gar Freundschaft, wurde jedoch nie aggressiv oder beleidigend dem Autor gegenüber. Aber gerade diese stoische Genauigkeit mit der Wahrheit machte es mir manch- mal schwer, ihn zu verstehen. Die For- derungen an mich glichen Bergen vol- ler Vertrauen, voller Glauben an meine grenzenlose Aufnahme und Leistungsfä- Nachruf auf einen sehr guten Freund higkeit. Ich habe ihn oft ent- täuscht mit meiner Leistung, aber er war mir deswegen nie böse. Ich – und nicht nur ich – konnte über alles mit ihm reden. Er hörte zu!!! Ob gerade berufliche, inhaltliche Gedanken zu diskutierenund zu entwickeln waren oder ob es umGott und dieWelt oder um Deutschland ging. Er war kritisch gegenüber sich selbst, aufrichtig, die freche Hamburger Mütze in Weiß auf dem Kopf, immer positiv geklei- det, hell, optimistisch. Als seine Frau starb, verheiratete er sich mit der großen Musik – mit Symphonie, Oper, Musical und The- ater. Die Opernhäuser der großen Städte Europas wurden seinWohnzimmer. Kon- zentriert und kritisch, aber meistens vol- ler Glück und Freude lernte er in den letz- ten Jahren die Großen des europäischen Musiktheaters kennen und schätzen. Gunther war ungeheuer beschei- den, hatte aber einen hohen Anspruch an Freundschaft und Liebe. Eine miss- lungene Theater- oder Opernaufführung eines professionellen Teams ärgerte ihn maßlos. Dann konnte er richtig schimp- fen. Aber nur dann, denn Gunther war eher ein Mann des Vergebens. Mir aber hat er nie verziehen, dass ich ihn in all den Jahren unserer Freundschaft immer mal wieder mit Günther und nicht mit Gunther angesprochen habe. Hans W. Geißendörfer, Produzent der »Linden- straße« Foto: dpa „Er war ein Solitär in der Medienlandschaft“ Der WDR trauert um den »Tatort«-Erfinder und ehe- maligen Fernsehspielchef GuntherWitte. IntendantTom Buhrow: „Das, was Gunther Witte geschaffen hat, bleibt und wird unsere Zuschauer weiterhin bereichern.“ Ehren-Grimme-Preisträ- ger, Ehrenmitglied der deut- schen Filmakademie, »Tatort«- Er f inder, Dramat urg und 19 Jahre Fernsehspielchef des WDR: Gunther Witte, der vor fast 50 Jahren die ARD-Kri- miserie »Tatort« erfand, ist am 16. August 2018 im Alter von 82 Jahren unerwartet in Berlin gestorben. Im September nah- men seine Familie, Freunde, Kollegen und Wegbegleiter Abschied von „einem Muster an Konstanz und Verlässlich- keit, einem Vorbild an Freundlichkeit und Empathie, einem Solitär in der Medien- landschaft“, wie ihn Günter Rohrbach in seiner Trauerrede charakterisierte. „Er hat die einmal gesetzten Qualitätskriterien über alle Jahrzehnte entschlossen vertei- digt, den Trivialitätstendenzen geschmei- diger Programmchefs hartnäckig die Stirn geboten“, erinnerte sich Rohrbach, Wittes früherer Vorgesetzter im WDR-Fernseh- spiel und späterer Bavaria-Geschäftsführer. GuntherWitte wurde am 26. Septem- ber 1935 im lettischen Riga geboren. 1963 kam er zum WDR. Zunächst arbeitete er als Redakteur und Dramaturg imFernseh- spiel, von 1979 bis 1998 als verantwortli- cher Leiter. Das Konzept für den regional geprägten »Tatort« im Ersten entwickelte er 1969. Ein Jahr später gingmit „Taxi nach Leipzig“ der erste »Tatort« auf Sendung. In den Folgejahren war der studierte Theaterwissenschaftler an vielenweiterenwichtigen Fern- sehfilmproduktionen desWDR beteiligt, als Produzent etwa an Volker Schlöndorffs „Die verlo- rene Ehre der Katharina Blum“ und an RainerWerner Fassbin- ders „Berlin Alexanderplatz“. Er arbeitete mit Regisseuren wie Wolfgang Petersen („Die Konsequenz“), Peter Beauvais („Die Ratten“) und Bernhard Wicki zusammen, mit dem er das Drehbuch zu dessen Film „Die Eroberung der Zitadelle“ schrieb. Verdient machte er sich zudem als Förderer des Doku-Dramas. In seine Zeit als Fernsehspielchef des WDR fiel auch der Start eines weiteren Dauerbrenners imSonntagsprogrammdes Ersten, der »Lindenstraße«. WDR-Intendant Tom Buhrow: „Gun- ther Witte war eine der herausragenden Persönlichkeiten des Fernsehspiels. Mit seiner einzigartigen Erfindung der ,Tatort‘- Reihe hat er den WDR und das deutsche Fernsehen so nachhaltig geprägt wie kaum ein anderer.“ mal Der frühere WDR-Fernsehspielchef und »Tatort«-Erfinder Gunther Witte starb 82-jährig in Berlin. Foto: ARD/Jander

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