WDRprint April 2019

15 14 Serien für den Westen Serien für den Westen „So, Armin ist für heute fertig“, ver- rät Regie-Assistentin Cosima Frey. Um 11.45 Uhr ist schon Schluss mit lustig. Ludger Pistor verabschiedet seinenFilm- partner, in denweiteren Szenen spielt er alleine weiter. „Schönes Wochenende.“ Von wegen. Morgen geht’s weiter. Auch für Armin Rohde. „Auf gute Art altmodisch“ Vor derMittagspause soll noch eine weitere Szene in den Kasten, die 5/295: Wolfgang blättert, auf demSofa liegend, denProspekt desWellness-Hotelsdurch, in demes sichKarinmit ihremVerehrer gerade gut gehen lässt. Für den Nach- mittag muss allerdings umdisponiert werden. Ein Schauspieler ist erkrankt, deshalb werden ein paar kurze Szenen vorgezogen. Wolfgang schnappt sich seine Jacke, verlässt dieWohnung. Und dann steht er vor der Staffelei, mischt die Farben an – in Hemd, Krawatte und mit Küchenschürze. „Schneller malen“, animiert Micha Lewinsky, „denk dran, dumusst noch zum Jobcenter.“Weiter geht’s imSchlafzimmer, mit wenigenHandgriffenwird an der Bunsenstraße der Tag zur Nacht. In trauter Zweisamkeit im Bett verkündet Wolfgang seiner Karin die neueste Job-Hoffnung. Schwipponkel José aus Brasilienwill um die Ecke ein Autohaus bauen. Micha Lewinsky kann nicht genug bekommen von der Szene. „Wird laufend besser, toll ...“. Der Regisseur ist begeistert vom Drehbuch, das Ingo Haeb und Katja Kittendorf geschrieben haben. „Eine liebevolle, tragiko- mische, feine Geschichte – auf gute Art altmodisch.“ Mindestens genauso beeindruckt ist Lewinsky von den Schauspielern: „Die drei Filme zuvor haben den Darstellern dabei geholfen, in die Figuren hineinzuwachsen. Sie verkörpern Menschen, die man einfach mag. Und deshalb hofft man, dass es ihnen irgendwann besser geht.“ Mittlerweile ist es kurz nach 18 Uhr, ein langer Drehtag geht zu Ende. Wird Zeit für ein leckeres Schnitzel. Denn ohne das geht es ja bekanntlich nicht. Hier wird die nächste Szene gedreht. Es ist 10 Uhr, eine kurze Besprechung steht an. Regisseur Micha Lewinsky und Kamera- mann Peter von Haller geben letzte Anweisungen. „Ein bisschen Filterkaffee dabei wäre nicht schlecht“, findet Armin Rohde. Kein Problem, natürlich gibt’s hier auch eine „echte“ Kaffeemaschine. Undwo sichGünther später positioniert, ist längst klar. „Ich stehe an der Durchreiche, dann setzt sich das auch nicht so“, schmunzelt Armin Rohde. Ludger Pistor geht seine Rolle derweil nochmal im Stillen durch. Kurz darauf geht es los: „Und bitte.“ Der Regisseur gibt das Kommando. „Das geht noch besser!“ Wolfgang will trotz des lädierten Beins seiner Frau Karin nachreisen, die von einem Bekannten in ein Wellness-Hotel ein- geladen wurde – wovon Günther überhaupt nichts hält. Viel lieber will er Wolfgang und sich noch ein Schnitzel holen. Die Szene ist imKasten. RegisseurMicha Lewinsky ist zufrieden, ArminRohde nicht ganz: „Ichhab‘ dasGefühl, das geht nochbesser.“ Zwei weitere Takes später: „Ich glaub‘, die ersten waren doch besser. Man darf die Begeisterung nicht zu hoch treiben.“ Kurze Umbaupause, der Gegenschuss ist an der Reihe. Armin Rohde lehnt sich an die Durchreiche, kippt den Kaffee wieder zurück. Gelegenheit für ein Selfie vomSet, während es sich Ludger Pistor auf dem Sofa gemütlich macht. Pantoffeln an, Beine hoch, so kann man die Pause genießen. Inden letztenTakemöchteArminRohde noch einmal reinhö- ren. AufnahmeleiterinKirstenSteffens spielt ihmdie entsprechende Stelle vor. „Ichklingedochetwas vernuschelt, sehr verkeucht, irgend- wie zu atemlos.“ Nächster Versuch, jetzt passt‘s. WDR FERNSEHEN »Ohne Schnitzel geht es nicht« am 1., 8. und 15. April »Phoenixsee« am 29. April, 6. Mai und 13. Mai »Meuchelbeck« am 20. Mai, 27. Mai und 3. Juni »Heimspiel – Serien für den Westen« Sendedaten montags ab 20.15 Uhr: Stammkunden im Jobcenter: Günther (Armin Rohde, Mitte) und Wolfgang (Ludger Pistor) eröffnen Frau Gott- schalk (Ramona Kunze-Libnow) ein neue Jobidee. Während einer Drehpause sprach WDR print mit Wolfgang Murnberger, der sich mit Micha Lewinsky die Regie teilte, sowie denHauptdarstellernArminRohde und Ludger Pistor. Warum funktioniert dieses Format so gut? WOLFGANG MURNBERGER: Langzeitarbeitslosigkeit ist ein sehr ergiebiges Thema. Und wir haben hier zwei konträre Persönlichkeiten, die versuchen, sich über Wasser zu halten und zurück in die Gesellschaft zu finden. Da ist Günther, ein reniten- ter, aufbrausender Typ, der aneckt und meist verliert. Auf der anderen Seite der große englischeGentleman Wolfgang, der immer zu wissen glaubt, was richtig ist. Es scheint wirklich so, als hätten die beiden Hauptdarsteller schon oft zusammen gedreht? LUDGER PISTOR:Wir haben schon mal, zum Beispiel in „Lola rennt“, im gleichen Filmmitgespielt, aber noch nie zusammen- gespielt. Es läuft tatsächlich super, ich hatte noch nie so einen Kollegen wie Armin. Wir ergänzen uns perfekt, von Anfang an war da so eine Art Magie. Was ist denn das Besondere an der Schnitzel-Serie – auch bezogen auf die unterschiedlichen Charaktere der Rollen? ARMIN ROHDE: Dafür sorgt schon die physiologische Erscheinung der beiden Figuren. Der eine mit schon fast cho- lerischer Ausstrahlung, der andere ruhig und vermittelnd. Die Autoren haben es geschafft, beimThema zu bleiben. ImMittel- punkt stehen zwei Personen, die ihr Glück suchen, die keine Situationen vorfinden, in die man sie erst schicken muss. Die Leute fangen an zu lachen, wenn sie uns sehen, wir nähern uns dem Problemmit einer besonderen Komik. Jeder hat schon mal irgendwo und irgendwann mit Arbeitslosigkeit zu tun gehabt. Wir sind die Archetypen im Kampf gegen den Untergang. Blei- ben mit der Betroffenheit stets auf Kriegsfuß. WOLFGANG MURNBER- GER: Die beiden schlittern von einer Katastrophe in die nächste. Sie ver- sagen immer wieder, aber es ist ein charmantes Versagen. Das Thema bietet ein großes Reservoir, es fühlt sich nicht ausgedacht an … ARMIN ROHDE: … was aber auch in der Natur der Sache liegt. Das Drehbuchbildet zu95 Prozent konkrete SituationendesAlltags ab. Und deshalb können sich die Zuschauer auch wiedererkennen? WOLFGANG MURNBERGER: Ich glaube, die Zuschauer wollen sehen, dass Menschen nicht aufgeben. Sie freuen sich über Freundschaften, über Menschen, die in schwierigen Situa- tionen zusammenhalten. Die Serie ist auch ein Statement gegen Hartz IV. Das Gespräch führte Christian Schyma „Ein Statement gegen Hartz IV“ „Die Zuschauer wollen sehen, dass Menschen nicht aufgeben.“ Ludger Pistor und Regisseur Wolfgang Murnberger (r.) Foto: WDR/Dicks „Es läuft tatsächlich super. Armin und ich er- gänzen uns perfekt. Von Anfang an war da so eine Art Magie.“ LUDGER PISTOR

RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ3NzI=